Kurz und Schmerzlos mit ... Christian Fuchs (FM4 House of Pain)

Shownotes

In der heutigen Folge von Kurz und Schmerzlos spricht Boris mit dem Journalisten und Musiker Christian Fuchs. Beim Radiosender FM4 moderiert Gründungsmitglied Christian die Rocksendung „House of Pain“, hostet zusammen mit seiner Kollegin Pia Reiser den bekannten österreichischen „Film Podcast“ und ist Teil mehrerer Bandprojekte, darunter die erfolgreiche Alternative-Rockband „Die Buben im Pelz“ sowie dem Solo-Projekt „Black Palms Orchestra“. Es geht um Punk-Spirit, Filmliebe und was eine gute Cover-Version ausmacht. Außerdem sprechen Christian und Boris über die Entstehung von FM4 sowie den Wandel des Senders im Laufe der Zeit.

FM4 Film Podcast (Christian Fuchs und Pia Reiser): https://sound.orf.at/podcast/fm4/fm4-film-podcast

„Das Glühen im Dunkeln: Wie Filme mir das Leben retteten“ von Christian Fuchs: https://milena-verlag.at/index.php?item=literatur&show_details=303

„You’re My Heart, You’re My Soul“-Cover, Der Kleine Tod: https://www.youtube.com/watch?v=EoMvtWzxcGQ

Christians Buchtipp: „After Woke“ von Jens Balzer: https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/after-woke.html

svorwort #popcast #bibcast #stadtstimmen

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00:00:00: [Stimme moduliert] Vorsicht, der Genuss dieses Podcasts kann zu vermehrten Bibliotheksbesuchen führen. [Stimme moduliert] [Intro-Musik]

00:00:07: Boris: Hallo und herzlich willkommen zurück beim "Vorwort - Kurz und Schmerzlos".

00:00:27: Heute mit Christian Fuchs. Mein Name ist Boris Schön.

00:00:31: Lieber Christian, schön, dass du da bist.

00:00:33: Christian: Hallo, ja, ich freu mich auch sehr.

00:00:34: Boris: Ich würde dich als erstes ganz kurz bitten, dich einmal vorzustellen.

00:00:37: Christian: Ja, also Christian Fuchs, Journalist, Musiker, Fan von Popkultur im Allgemeinen, bin quasi Gründungsmitglied von FM4,

00:00:47: mach dort schon sehr lang die Sendung "House auf Pain", also die Rock-Sendung auf FM4,

00:00:51: mit einem sehr breiten Spektrum von Musik, aber alles sehr rockorientiert.

00:00:56: Und auch seit einigen Jahren mit meiner Kollegin Pia Reiser zusammen den "Film Podcast",

00:01:00: der jetzt zum erfolgreichsten Filmpodcast gewählt wurde von der FM4-Community überhaupt im deutschen Sprachraum.

00:01:07: sehr stolz bin. Und genau, ich habe auch sehr, sehr viele Bands,

00:01:11: früher mit hater Musik begonnen, "Fetish 69", war so Industrial Rock.

00:01:15: "Bunny Lake" war eine sehr erfolgreiche Elektropopband und seit einigen Jahren "Die Buben im Pelz",

00:01:21: mit sechs Musikern gemeinsam, oder ich bin das sechste Mitglied,

00:01:25: Wiener Lied-Versionen von Lurid Songs oder auch inspiriert davon

00:01:30: und eine eigene Band noch, ein Solo-Projekt, das heißt "Black Palms Orchestra",

00:01:35: das ist auch sehr, sehr filminspiriert im weitesten Sinn.

00:01:39: Boris: Wie du ja schon gesagt hast, du bist ja auch Gründungsmitglied sozusagen von FM4,

00:01:43: das heißt, der unter Anführungszeichen "Brotberuf" ist schon Radiomoderator, kann man das so sagen?

00:01:48: Christian: Das ist auch definitiv mein Brotberuf, also ich war früher auch noch freiberuflich

00:01:52: für sehr viele Printmedien tätig, aber das ist jetzt mein Hauptberuf.

00:01:56: Was ich vergessen habe, vielleicht noch erwähnen, seit kurzem auch im FM4-Kontext Autor,

00:02:01: habe ein Filmbuch mit meinen persönlichsten FM4-Film-Rezensionen veröffentlicht,

00:02:06: "Das Glühen im Dunkeln", das ist noch dazugekommen, aber ja, Journalist.

00:02:10: Boris: Jetzt stelle ich mir einfach mal die ganz banale Frage, wenn ich mir vorstelle,

00:02:14: du hast einen Vollzeitsjob bei dem Radiosender, du hast nebenbei Bandprojekte,

00:02:18: du schreibst ein Buch, wie viele Stunden die Woche arbeitest du?

00:02:22: Christian: Viel zu viel, also das ist vielleicht ein persönliches Hauptproblem.

00:02:26: Ich bin jetzt gar kein Workaholic, das würde man mir vielleicht unterstellen,

00:02:30: im Gegenteil, ich bin auch gern faul, aber es ist wenig Zeit fürs Faulsein,

00:02:35: also diese ganzen Aktivitäten schlucken schon sehr, sehr viel Zeit.

00:02:40: Boris: Und woher kommt der Antrieb, hast du immer die Energie hast sozusagen,

00:02:44: um diese ganzen Projekte weiterzutreiben? Es kommen ja auch immer wieder neue Sachen,

00:02:48: es ist nicht so, dass du quasi in deinen Schienen dahin fährst und fertig, also...

00:02:52: Christian: Manches wird an mich herangetragen, also da kommen ja irgendwie Angebote dann

00:02:56: oder Vorschläge von anderen Leuten, die ich schwer ausschlagen kann, weil sie so attraktiv sind.

00:03:01: Dann gibt es natürlich eben den FM4-Job, also der "Film Podcast" alleine verschluckt

00:03:06: vielleicht so zwei bis drei, definitiv Abende pro Woche, aber manchmal auch Tage,

00:03:11: weil ich da sehr, sehr viel vor recherchiere und mich vorbereite.

00:03:15: "House of Pain" wird mit Kolleg*innen gemeinsam gemacht, also das ist jeden Mittwoch,

00:03:21: eine verschiedene Person, mit der ich co-moderiere und die stellen die Musik zusammen,

00:03:25: weil dafür zusätzlich hätte ich wirklich keine Zeit mehr und die bringen auch ganz neuen,

00:03:29: frischen Input rein und ja, auch aus Fan-tum eigentlich. Also Film ist vielleicht so der Bereich,

00:03:34: wo ich immer noch glühender Fan bin. In anderen Bereichen ist es jetzt vielleicht ein bisschen zurückgegangen

00:03:39: oder überlasse ich anderen, aber ich lese Filmzeitschriften, Filmblogs, freue mich auf neue Filme, also...

00:03:45: Boris: Würdest du sagen, dass wenn das Fan-tum ein bisschen auf die Seite geht, die Professionalität kommt?

00:03:51: Christian: Also das versuche ich schon auszubendeln total, weil so reines Fan-tum dann als Journalismus funktioniert nicht,

00:03:57: finde ich, das ist auch wichtig. Also ich arbeite mit sehr vielen Leuten zusammen

00:04:01: und "House of Pain" sind, wenn man jetzt alles zusammenrechnet, vielleicht zehn Personen,

00:04:05: würde ich jetzt sogar sagen aufs Monat gerechnet. Und es ist sehr, sehr wichtig, dass die auch

00:04:10: einen einerseits ein bisschen selbstironischen Ansatz haben, weil Rockmusik oder Metalmusik ist auch etwas toternstes

00:04:16: und das wollen wir nicht in der Sendung. Und auf der anderen Seite auch diesen objektiven

00:04:22: - unter Anführungszeichen "journalistischen" Ansatz auch reinbringen. Also das reine Fan-tum,

00:04:27: wo man halt nur so huldigt seinen Ikonen, das will ich nicht und das wollen wir nicht.

00:04:32: Boris: Ja, das ist wahrscheinlich dann auch für die Außenstehenden nicht besonders spannend, denke ich mir ...

00:04:36: Christian: Total. Und auch so ein Nerd-tum, wo dann zwei Nerds sitzen, ob weiblich oder männlich, und dann abnerden

00:04:42: und alle anderen müssen zuhören. Die Leute gehören eingebunden natürlich und die Zuhörer*innen

00:04:49: und ja, dieses Nerd-tum und Fan-tum muss auch ein bisschen in Grenzen gehalten werden.

00:04:54: Boris: Ja, du hast schon erwähnt die Sendung "House of Pain", das ist auch der Grund, warum du heute da bist.

00:04:58: Das ist ja, sagen wir mal, für mich persönlich jetzt als Veranstalter im Haus, ein glücklicher Zufall,

00:05:05: dass sich das so ergeben hat. Und ich glaube, das ist aber heute auch das erste Mal,

00:05:10: dass ihr quasi "House of Pain" auf eine Bühne live in den Raum bringt.

00:05:14: Christian: Total, also so eine Sound-Lecture gab es noch nie, was es gab zu den Anfangszeiten,

00:05:19: das ist dann irgendwann einmal nicht mehr passiert, zu den Anfangszeiten gab es so "House of Pain"-Discos

00:05:23: oder so Abende, wo wir aufgelegt haben, wo die Musik gespielt wurde, aber so etwas in diesem Sinne wie heute hier ist komplett neu für uns.

00:05:32: Boris: Es nimmt ja quasi einen Aspekt musikalisch aus "House of Pain" heraus.

00:05:37: Es sind ja mehrere Genre, die da zusammen treffen, wie du schon gesagt hast.

00:05:40: Heute geht es um Metal, die Geschichte des Metal. Ich freue mich da auch schon sehr, wird sicher sehr spannend.

00:05:46: Ich möchte auch auch ganz kurz noch erwähnen, also wer da noch auf der Bühne steht,

00:05:49: das ist der Paul Kraker, der Gast auch bei dir oft ist und auch bei Ö1 als Nachrichtensprecher arbeitet

00:05:56: und die Medina Rekic, die selber Musikerin ist und auch verschiedene Bandprojekte hat.

00:06:02: Christian: Ja, also ein sehr international erfolgreiches Projekt, die "White Miles",

00:06:05: das war ja vielleicht auch der erfolgreichsten Tiroler Rock-Bands überhaupt,

00:06:09: weil sie aktiv waren und die "Slicky Nerves" ist ja eine aktuelle Band, also ist da sehr aktiv

00:06:15: und das ist auch wichtig, dass da Menschen aus der Szene dazukommen.

00:06:19: Also es gibt dann auch die Sonja, Sonja Maier, die hat eine Band aus "Baits", so eine sehr erfolgreiche Punkband.

00:06:25: Auch die steckt in der Szene drinnen, kennt die Leute, geht zu Konzerten, spielt Shows.

00:06:30: Also diese Angebundenheit ist wichtig, weil mich verschluckt dann oft der Film.

00:06:34: Ich habe da gar keine Zeit, um mir so viel anzuschauen.

00:06:37: Boris: Jetzt ist es ja so, dass du selber, wie du auch schon vorher gesagt hast, selber mehrere Bands hast

00:06:41: und auch welche hattest, du bist aber eigentlich kein Musiker, oder? Oder ist das falsch?

00:06:46: Christian: Nein, ich bin totaler Autodidakt.

00:06:49: Ich möchte mich nicht... also mittlerweile, glaube ich, darf ich mich vielleicht vorsichtig so bezeichnen,

00:06:54: nach so vielen Jahren, ich habe angefangen, ohne singen zu können, also ich habe wirklich am Anfang nur gebrüllt

00:07:00: von meiner ersten Band, bin auch inspiriert von diesem Punk-Ethos, also von diesem Punk-Spirit.

00:07:08: Also man geht auch auf die Bühne und probiert es, auch Bands wie "Einstürzende Neubauten" zum Beispiel,

00:07:13: wo glaube ich erst später echte Musiker dazukamen haben mich da sehr inspiriert.

00:07:17: Und es ist über die Jahre, ich würde mich jetzt schon in diese Richtung einreihen,

00:07:22: aber ich kann immer noch kein Instrument spielen, ich kann immer noch keine Noten.

00:07:25: Ich bin glaube ich bei meinen anderen Projekten oft so etwas wie Kurator, also ich kenne sehr viel Musik,

00:07:30: ich könnte glaube ich Musik sogar produzieren, ohne dass ich jetzt weiß, wie am Mischpult jeder Knopf funktioniert.

00:07:36: Das gehört glaube ich, habe ich, aber ich bin totaler Autodidakt, ja.

00:07:40: Boris: Was ein fast durchgehendes Element dieser Bands ja auch ist, ist, dass es immer Cover-Versionen von bekannten Pop-Songs,

00:07:48: du hast vorhin Lou Reed erwähnt, aber ich denke mir auch bei der "Neigungsgruppe" zum Beispiel, damals, Lana Del Rey-Cover und ähnliches.

00:07:56: Worin steckt denn für dich das Geheimnis in einer guten Cover-Version?

00:08:00: Christian: Ich glaube die gute Cover-Version macht sich den Song komplett zu eignen.

00:08:04: Also es gibt jetzt auch ein aktuelles Album zum Beispiel von "Soap&Skin" mit Covers,

00:08:09: also wo man eigentlich die Originale teilweise gar nicht mehr erkennt oder vielleicht auch vergisst beim Hören.

00:08:14: Es verbeugt sich einerseits, also ich finde respektlose Cover-Versionen unnötig,

00:08:19: verbeugt sich einerseits von dem Original, aber gleichzeitig entsteht etwas völlig Neues

00:08:23: und mir passiert es immer wieder, wenn man das dann wirklich einstudiert hat, wenn man das im Studio aufnimmt, wenn man das live spielt,

00:08:28: ich vergesse darauf, dass es von wem anderen ist.

00:08:31: Also die Songs werden auch so sorgfältig ausgewählt, dass das irgendwie musikalisch und textlich passen muss

00:08:36: und dann wird es irgendwie ein eigener Song, man vergisst das, also ich bin jetzt auch in ein Projekt involviert,

00:08:41: weil ich nicht genug Bands habe, das heißt "Der Kleine Tod", mit einer Musikerin und Kulturaktivistin aus Los Angeles,

00:08:50: die Berit Gilma und da wurde ein Cover jetzt unlängst gemacht von "Modern Talking".

00:08:55: "You're My Heart, You're My Soul", so ein 90er-Jahre Discohit, der weltweit unglaublich erfolgreich war

00:09:01: und wir haben einen Begräbnissong daraus gemacht, also unglaublich

00:09:05: langsam, wahnsinnig düster und traurig und ich denke da beim Hören überhaupt nie an "Modern

00:09:11: Talking" eigentlich mehr, obwohl Dieter Bohlen die Tantiemen kriegt. - Boris: Ich stelle jetzt einfach

00:09:14: die Frage: Wirklich 90er-Jahre, ich hätte den Dieter Bohlen Ende der 80er-Jahre ... Christian: Oder

00:09:19: vielleicht war, vielleicht habe ich mich sogar getäuscht bei der Einordnung, vielleicht ist

00:09:22: das Stück eher aus den späteren 80ern kann sein. - Boris: [lacht] Das sind Details, ja. Ist mir nur

00:09:28: gerade so eingefallen beim, das Bauchgefühl hat gesagt, Dieter Bohlen ist schon älter als ...

00:09:33: Christian:  Vielleicht ist das so, ich glaube sogar zu den späteren 80ern, das stimmt ja. - Boris: Jetzt eine

00:09:41: interessante Sache finde ich, die nochmal, um auf FM4 zurückzukommen, die eine Sache ist die,

00:09:47: FM4 ist jetzt 25 Jahre alt, nein stimmt nicht, oder? - Christian: FM4 wird jetzt im Januar 30 Jahre alt. - Boris: Wie war

00:09:56: das damals die Gründung dieses Radiosenders? - Christian: Sehr, sehr spannend, also FM4 hat wirklich viele,

00:10:01: viele verschiedene Phasen durchlaufen und im Grunde war es ja so, dass Ö3 umgebaut wurde zu

00:10:07: einem Formatradio, das bis heute ist und so das Flaggschiff vom ORF irgendwie auch jetzt kommerziell,

00:10:13: und FM4 hat am Anfang bestanden aus den ganzen Außenseiter*innen, die bei Ö3 gearbeitet haben.

00:10:20: Da gab es verschiedene Sendungen, die so jugendkulturell und popkulturell waren und diese Sendungen

00:10:23: wurden alle rausgestrichen, weil es nicht mehr in das Formatradio gepasst hat. Da hat sich ein

00:10:27: wilder Haufen sehr gegensätzlicher Menschen getroffen und nicht gleich am Anfang war sie

00:10:32: Chefin, aber dann halt jahrzehntelang am Monika Eigensperger, als Chefin hat es halt zusammengehalten

00:10:37: mit dem Spirit und ja, sind die unterschiedlichsten Welten kollidiert und so und das ist auch

00:10:42: angetrieben worden von diesem auch Spirit dieser Independent / Alternative Rock-Szene damals. Jetzt

00:10:48: hat sich alles sehr, sehr verändert durch Streaming, durch die Gen Z und ihre Musikansätze,

00:10:53: also es wurde ja ganz was anderes, aber damals war das so richtig dieser Indie-Rock-Spirit.

00:10:58: Boris: Was mir auch aus später klar geworden ist bei FM4 und da wollte ich dich fragen,

00:11:02: ist das schon immer ein Bestandteil gewesen, dass ja quasi neben dem Radiosender ja auch

00:11:06: auf der Webseite von FM4 wirklich viel Content auch ist. Es sind viele Texte, es ist so wie du

00:11:11: auch vorher gesagt hast, die Filmkritiken, es gibt aber auch, was weiß ich, rund um den "Wortlaut",

00:11:17: diesen Kurzgeschichten-Wettbewerb usw. Es gibt ja einfach wahnsinnig viel textliche,

00:11:22: journalistische Tätigkeit, das ist ja schon ein bisschen ein besonderes Phänomen bei einem

00:11:26: Radiosender oder ist das? - Christian: Nein, da war FM4 Pionier, weil der Sender das schon,

00:11:30: ab 2000 ging diese Online-Präsenz los, weil der Sender das sehr multimedial immer gesehen hat

00:11:36: und ich glaube das ist ja die Zukunft des Radios, ich bin gar kein Radiotheoretiker,

00:11:39: aber was man so mitbekommt, geht das da auch in Bereiche, wo sehr viel Videoclips dann mitspielen,

00:11:44: wo das auch optisch bespielt wird und also alle möglichen Medien quasi. Am Anfang gab es ja

00:11:49: auch, es gab zum Beispiel Lesereisen, wo FM4-Redakteur*innen herumgereist sind und aus

00:11:54: ihren Lieblingsbüchern vorgelesen haben, also es war auch noch Literatur mit eingebunden,

00:11:59: alles was jetzt Popkultur im weitesten Sinn ausmacht und auch noch Politik und soziale

00:12:03: Themen, das war immer schon multimedial gedacht. - Boris: Und auch durchaus ein kritischer Radiosender?

00:12:08: Christian: Ja, also im Rahmen natürlich, also der mir auch sehr wichtig ist im Rahmen des ORF, also im Rahmen des

00:12:15: ORF-Gesetzes auch kritisch schon, aber natürlich jetzt auch ... "objektiv", das ist ein Wort, das halte ich

00:12:22: auch in der Filmkritik nicht aus, weil vom Subjektiven von diesen persönlichen Zugängen

00:12:26: lebt ja auch FM4, aber also das ORF-Gesetz spielt schon eine Rolle und das ist jetzt nicht Meinungsmache in

00:12:32: dem Sinn, also wenn einfach viele Themen kritisch beleuchtet, ja. Eins kann ich dazu sagen,

00:12:36: der Bildungsauftrag, das klingt immer so spröde, dieses Wort, aber das ist was mir persönlich

00:12:41: irrsinnig wichtig ist, auch im "House of Pain", also Bildungsauftrag heißt dann, wenn wir ein Band

00:12:46: wie "Black Sabbath" spielen und junge Menschen kennen das vielleicht gar nicht, dass wir erklären,

00:12:49: wer sind die und woher kommen die. So wurde ich auch gebildet, also für mich war das auch sehr

00:12:55: zentral jungen Jahren und das ist eigentlich für mich was sehr wichtig ist. - Boris: Da habe ich mir ja

00:13:00: gestehe ich jetzt quasi ein bisschen was ja geklaut vom ORF auch, also es ist ja auch für meine

00:13:05: Veranstaltungen, es ist mir immer wichtig, dass man sozusagen auch eine Bildungsveranstaltung hat,

00:13:11: das kann entweder eine allgemein bildende Veranstaltung sein, aber es kann eben auch sein,

00:13:14: dass man einfach zu einem bestimmten Thema, zu einem bestimmten Anlass, zu einer Publikation

00:13:20: dann dementsprechend auch einfach mehr Informationen erfährt und ja auch das in der Stadtbibliothek.

00:13:25: Christian: Auf jeden Fall, also Bildung muss ich sagen ist für mich ein extrem zentraler Begriff,

00:13:29: da bin ich auch sehr streng, also ich bin sogar so streng wenn Leuten dann auf Facebook oder

00:13:33: irgendwo Postings machen in einer Fantasiesprache oder halt komplett ignorieren, alles sprachlich,

00:13:39: was so vor sich geht, da bin ich recht streng, weil ich also für mich ist das ein zentraler Begriff

00:13:44: und wenn die jetzt uncool geworden ist in gewisses Szenen, "Nein, Bildung ist nicht so wichtig",

00:13:47: sehe ich komplett [unverständlich]. - Boris: Jetzt habe ich noch eine Quantitätsfrage. Jetzt passt gestern in

00:13:53: Innsbruck mit deinem Buch, das du vorhin schon erwähnt hast, "Das Glühen im Dunkeln", bei

00:13:58: einer Buchpräsentation im Kult, das fand ich auch sehr toll, weil es auch so ein ja auch ein

00:14:04: Kulturort in Innsbruck ist, der ganz einen besonderen Charakter hat. Heute bist du auf der Bühne mit

00:14:11: "House of Pain". Wie viele Auftritte hast du so im Jahr, alles in allem? - Christian: Das kann ich jetzt gar nicht

00:14:18: so zusammenfassen, es ist auf jeden Fall weniger geworden, weil da rechne ich die Musik schon mit, also

00:14:22: es gab Phasen, da hatte ich glaube ich noch ein bisschen mehr Energie, weil ich noch jünger war. Es gab Phasen, wo ich wirklich

00:14:27: zwei Bands hatte die voll aktiv waren, also wirklich auch getourt sind, plus die Radioarbeit, plus noch

00:14:34: damals Printmedien. Es ist mir jetzt schon ein bisschen too much, aber ja, ich kann das jetzt gar nicht in

00:14:39: Zahlen zusammenfassen, aber es kommt dann immer was rein, also auch spannende Vorträge oder Lesungen,

00:14:44: noch zusätzlich, es ist schon recht viel. - Boris: Hast du denn noch Energie, um dir selber Sachen anzuschauen

00:14:50: an Abenden, dass du auf Konzerte gehst? Das Kino gehst du natürlich zwischendurch, das ist klar oder?

00:14:54: Christian: Das Kino sehe ich in Pressevorführungen, die sind absurderweise immer in der Früh, die sind so um neun

00:15:01: oder neun Uhr dreißig, da sehe ich sehr arge Filme um die Zeit, die dann den ganzen Tag irgendwie nachhallen.

00:15:06: Ja, also Kino ist auf jeden Fall noch wichtig, also ich geh auch zu Filmfestivals und schau mir

00:15:10: da Sachen an. Konzerte werden immer weniger, muss ich ganz ehrlich sagen, also dadurch, dass ich am

00:15:16: nächsten Tag ja dann auch wieder einen langen Tag, wo ich viel machen muss und funktionieren muss,

00:15:20: es ist weniger geworden, da bin ich sehr sorgfältig beim Selektieren geworden.

00:15:24: Boris: Nur die wichtigsten? - Christian: Ja, also früher - Boris: Für dich wichtig. - Christian: Ich war früher so fanatisch, also wenn

00:15:28: jetzt zwei coole Bands in Wien gespielt haben, an einem Abend muss ich natürlich beide sehen,

00:15:32: bin hingehetzt zur zweiten Band auch noch, das ist vorbei. Also ich muss auch sagen, dass die Musik

00:15:37: generell, also nicht die eigene, aber grundsätzlich Musik ein bisschen ins Hintertreffen geraten

00:15:41: ist, weil es geht nicht, dass man up to date ist in allen Bereichen, man kann sich nicht zerreißen

00:15:46: und ich versuche halt filmisch komplett am Punkt zu bleiben und filmisch alles zu verfolgen, was so

00:15:52: passiert oder vieles zu verfolgen und das geht sich nicht aus, dann geht Literatur und Musik halt

00:15:57: ein bisschen ins Hintertreffen manchmal. - Boris: Ja, also ich denke, wir haben, glaube ich, einen guten Eindruck

00:16:02: bekommen, wer Christian Fuchs ist, danke vielmals dafür. - Christian: Vielen Dank. - Boris: Zum Abschluss habe ich immer

00:16:07: die Frage, hast du einen Buchtipp noch für unsere Zuhörer*innen? - Christian: Ja, ich habe einen Sachbuchtipp,

00:16:13: also ich komme auch durch diese ganzen Aktivitäten immer seltener zu Romanen, ein Genre, dass ich

00:16:18: liebe, ein Bereich, den ich liebe, aber der halt sehr selten geworden ist, aber Sachbücher auf jeden Fall

00:16:23: noch, es gibt ein Buch von einem deutschen Kulturtheoretiker Jens Balzer, der hat schon viele

00:16:28: Bücher geschrieben, der irgendwo zwischen Politik und Popkultur angesiedelt ist, und der hat ein Buch geschrieben

00:16:33: das heißt "After Woke", und "woke" ist ja so ein ganz zentraler Begriff geworden, von rechter politischer

00:16:38: Seite so ein Hassbegriff, in der linken Szene zerstreiten sich die Leute wegen diesem Begriff und

00:16:44: Jens Balzer hat einen interessanten Zugang, weil er eigentlich aus dieser Woke-Bewegung kommt und die

00:16:49: grundsätzlich interessant findet oder gut findet auch oder auch diese ganze politische Korrektheit, aber

00:16:55: das Ganze ist jetzt too much geworden sozusagen und er kritisiert die Auswüchse auch in Bezug

00:17:00: jetzt auf politische Situationen, Weltweit und Gazakrieg und so, wo sich alle zerfleischen

00:17:05: gegenseitig und er versammelt sozusagen die schlimmsten Auswüchse und versucht dann aber auch,

00:17:10: und es ist sehr selten, weil wir es in einer so dystopischen Zeit, positive Momente zu finden,

00:17:15: wie könnte man das weiterentwickeln, damit nicht alle die ganze Zeit streiten und damit man

00:17:19: nicht diesen Begriff komplett Rechtsradikalen überlässt, also er versucht so ein bisschen

00:17:23: utopistisch und mit einem positiven Spirit diesen Begriff zu durchleuchten, aber gleichzeitig

00:17:27: zu kritisieren, dass es da jetzt ein paar Leuten die Sicherung gehaut hat. [lacht]

00:17:31: Boris: Ja super, vielen Dank.

00:17:33: Christian: Dankeschön.

00:17:34: Dankeschön.

00:17:35: Boris: Ich freu mich auf den heutigen Abend und ... - Christian: Ich freue mich auch sehr.

00:17:37: Boris: Danke dir.

00:17:38: [Outro-Musik]

00:18:01: [Stimme Boris] S'Vorwort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem

00:18:07: Audiokanal der Stadt Innsbruck. [Stimme Boris]

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