Innsbruck liest-Edition: Entstehungsgeschichte
Shownotes
Willkommen zum S’Vorwort: Innsbruck liest-Edition! In drei Folgen feiert die Stadtbibliothek Innsbruck die 20. Auflage der Buchverteilaktion.
In der heutigen Folge spricht Boris mit Birgit Neu und Thomas Pühringer, die in ihren damaligen Funktionen als Kulturamtsleiterin und Büroleiter der ehemaligen Bürgermeisterin Hilde Zach maßgeblich an der Entstehung des Projekts „Innsbruck liest“ beteiligt waren. Dass das jetzt schon über zwanzig Jahre her ist, können sie selbst kaum glauben. „Innsbruck liest“ ist in seiner Umsetzung und dem umfassenden Rahmenprogramm österreichweit einzigartig. Wie es dazu kam und wie die Aktion in ihren Anfangsjahren in Innsbruck angekommen ist, welche Autor*innen ihnen besonders gefallen haben, und ob es Nervosität gab, das und mehr erfahrt ihr in der zweiten Folge vom S’Vorwort: Innsbruck liest-Edition.
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00:00:00: [Frauenstimme]: Sie hören eine Sonderausgabe vom S'Vorwort, anlässlich des 20. Jubiläums von "Innsbruck liest".
00:00:27: [Wasser plätschert] Boris: Willkommen beim Podcast der Stadtbibliothek Innsbruck, es S'Vorwort. Mein Name ist Boris Schön und heute geht es wieder um die Aktion "Innsbruck liest".
00:00:36: Und diesmal wollen wir ganz an die Anfänge der Aktion zurückkehren. Dafür haben wir zwei ganz besondere Gäste eingeladen, Birgit Neu und Thomas Pühringer.
00:00:47: Darf ich euch kurz bitten euch vorzustellen, was ihr beruflich macht und was vor allem eure Aufgabe war, bei der ersten Ausgabe von "Innsbruck liest", Birgit bitte.
00:01:00: Birgit: Ja, vielen Dank. Wie gesagt, Birgit Neu, ich war damals vor 20 Jahren Kulturamtsleiterin der Stadt Innsbruck und hatte damals das Glück, gemeinsam mit meinem Team diese wunderbare Aktion ins Leben rufen zu dürfen.
00:01:13: Heute bin ich immer noch für den Bereich Kultur zuständig, bin heute die Abteilungsleiterin bei der Stadt für den Gesellschaftsbereich, Kultursport, Gesundheit und Bildung.
00:01:24: Boris: Thomas. Thomas: Thomas Pühringer, schönen Tag auch von meiner Seite. Mit 2002 bei der Bürgermeisterin Hilde-Zach im Büro als Büroleiter angefangen und somit mit der Birgit zusammenarbeiten dürfen.
00:01:36: Boris: Jetzt zu "Innsbruck liest", wie ging denn das los? Wo war die Idee plötzlich da? Von wem kam die?
00:01:44: Birgit: Da kann ich dann gleich an den Thomas weitergeben. Wir wollten im Kulturamt etwas machen für die Literaturszene vor Ort und einfach auch eine Aktion, die das Lesen und die Literatur in den Mittelpunkt stellt.
00:01:57: Und dann kam eben vom Büro des Bürgermeisters eine ganz schöne Idee und da gebe ich jetzt dich an, an dich, Thomas, weiter.
00:02:03: Thomas: Ja, danke, Birgit. Man möchte es kaum meinen, aber damals waren die Inhalte noch nicht so mit der... Online verfügbar wie heutzutage.
00:02:12: Und irgendwo ist mir mal ein Zeitungstartikel untergekommen aus einer amerikanischen Stadt, also aus den USA, wo man eine vergleichbare Aktion gestartet hat.
00:02:20: Und Birgit, da musst du mir jetzt helfen, ich glaube Wien war ein bisschen früher dran als wir, aber ich denke, es ist ein ganz großes Dank jetzt im Nachhinein nach so vielen Jahren an Hilde-Zach,
00:02:31: die damals Bürgermeisterin und Kulturreferentin war und vor allem an dich, Birgit und dein Team und das Kulturamt, wie ihr diese Aktion umgesetzt habt,
00:02:38: weil wir uns da in Innsbruck schon in einigen Punkten, finde ich, wohltuend ins abheben von anderen Städten.
00:02:44: Birgit: Ja, genau so war es. Wir haben dann diese Anregung vom Büro des Bürgermeisters sofort aufgegriffen und haben uns überlegt, wie können wir diese Aktion für Innsbruck adaptieren?
00:02:54: In Wien wurden ja damals, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, 100.000 Bücher verteilt an die Bevölkerung.
00:03:00: Wir wussten, dass wir diese Dimensionen in Innsbruck nicht erreichen können, aber auch nicht erreichen müssen.
00:03:05: Wir haben das sozusagen down-gegraded [Englisch für abstufen] auf die Dimensionen, wie sie für unsere Stadt passen und haben aber auch überlegt, wie wir die Sache etwas anders angehen können.
00:03:16: Und zwar in dem Sinne, erstens, dass wir die heimischen Literaturveranstalter in diese Aktion gerne einbinden möchten, weil es soll ja eine Aktion sein,
00:03:25: wo sehr viele vor Ort auch davon profitieren. Und das zweite war, dass wir von Anfang an die Jury-Entscheidung, die Auswahl des Buches in Fachkundige Hänge, Hände legen wollten.
00:03:36: Und da haben wir mit dem Brennerarchiv von Professor Johann Holzner einen ganz tollen Partner gewonnen, der mit uns gemeinsam die ersten Jahre "Innsbruck liest" veranstaltet, begleitet hat und vor allem damals auch den Vorsitz der Jury übernommen hat.
00:03:51: Und da waren wir sehr froh, dass wir diese Aktion von Anfang an so fachkundig begleiten haben können.
00:03:57: Boris: Ja den Juryvorsitz gibt es ja immer noch in der Form, das ist ja sozusagen auch immer noch das Qualitätssiegel auch der Aktion, dass eine Person aus der Wissenschaft sozusagen kontrolliert, was das Ergebnis der Jury ist, welches Buch es ist und nicht stimmberechtigt ist.
00:04:13: Also das hat sich ja erhalten.
00:04:15: Thomas: Ich glaube, ein wichtiger Aspekt ist auch der Zeitpunkt, dass es immer im Frühling präsentiert wird, das Buch. Manche Menschen nehmen sich das mit als Urlaublektüre oder wie auch immer.
00:04:26: Manche warten regelrecht, das weiß ich aus meiner Umgebung, die sagen, ich will keine einzige Ausgabe versäumen.
00:04:32: Vielleicht schreiben sie das in den Kalender ein, wenn die neue Aktion wieder stattfinden wird.
00:04:36: Und denke auch für den Handel ist es ein wichtiger Unterschied, dass bei uns das im Frühling passiert, weil die Weihnachtszeit auch für den Buchhandel die allerwichtigste Zeit im Jahr ist, wo die Hauptumsätze getätigt werden.
00:04:47: Und da 100.000 Titel eines Bestsellers auf den Markt zu schmeißen, ist natürlich schon eine harte Nuss für den Buchhandel.
00:04:54: Und die heimischen Buchhändlerinnen und Buchhändler haben sich das, glaube ich, verdient, dass die Stadt zwar auf der einen Seite die Literatur fördert und die Literaturszene, aber auf der anderen Seite auch auf das Handelsgeschehen Rücksicht nimmt.
00:05:05: Boris: Also du hast dich jetzt bezogen auf eine Stadt ein Buch in Wien, wo es 100.000 Stück im Herbst sind, die dann auf den Markt verteilt werden.
00:05:14: Thomas: Genau.
00:05:15: Boris: Wie war denn das damals dann? Also es gab diese Idee aus Amerika, Wien war vielleicht ein bisschen früher dran, aber wie ist dann das mit dem Konzept losgegangen?
00:05:22: Weil so eine Aktion, die muss man sich ja doch in verschiedenen Sachen überlegen.
00:05:28: Was bindet man ein? War das dann Arbeit eher im Kulturamt oder wo wurde diese Arbeit sozusagen...
00:05:35: Wo ist das Konzept dann wirklich entstanden?
00:05:38: Birgit: Ja, wir haben zunächst einmal alle vor Ort tätigen Literaturveranstalter zu uns eingeladen, ins Kulturamt.
00:05:43: Haben dort eine große Runde sozusagen ein Brainstorming [Englisch für Ideensammlung] veranstaltet und haben sie gebeten, sich mit ihren eigenen Ideen in diese Aktion einzubringen.
00:05:53: Und zwar insbesondere in Form von Begleitveranstaltungen.
00:05:57: Wir haben gewusst, dass wir als Kulturamt aus personellen Kapazitäten heraus schon nicht alles alleine stemmen können.
00:06:04: Und vor allem wollten wir ja auch da die Expertise unserer Literaturveranstalter, unsere Literaturinstitutionen vor Ort, gerne einbinden in die Aktion.
00:06:12: Wir haben das dann vorgestellt, dass wir eben ein Buch in großer Auflage 10.000 Stück gerne an die Bevölkerung verteilen wollen.
00:06:23: Und am Anfang war da und dort etwas Skepsis herauszuhören.
00:06:27: Vor allem aber haben wir eines aus dieser Runde mitgenommen, die den Auftrag, sagen wir mal so, den Auftrag, es darf keine Eintagsfliege sein.
00:06:37: Es soll, wenn wir so eine Aktion starten, eine Aktion werden, die wirklich nachhaltig wirkt, die auch in den Folgejahren dann weitergeführt wird.
00:06:44: Ich glaube, dieses Versprechen haben wir jetzt am 20. Geburtstag der Aktion ganz gut einlösen können.
00:06:50: Und dann hat es eigentlich ein sehr schönes Miteinander gegeben.
00:06:53: Also es haben sich für verschiedene Literaturinstitutionen dann am Rahmenprogramm beteiligt, sei es mit Lesungen, mit Diskussionsrunden, mit Signierstunden.
00:07:03: Wir haben auch von Anfang an versucht, die Aktion über Partner zu finanzieren, über Sponsoringpartner.
00:07:11: Da war man sehr froh, dass wir eigentlich zu Beginn fast 100 Prozent der Produktionskosten des Buches über Sponsoring finanzieren konnten.
00:07:20: Das war ganz toll und es war für die Teilnehmenden Wirtschaftsbetriebe, die uns unterstützt haben, auch schön, dass sie über ihre Verteilstationen dann sich auch an der Aktion beteiligen konnten.
00:07:31: Und so wurde das ein schönes
00:07:33: Miteinander, wir haben auch den Buchhandel mit Büchern versorgt und man muss sagen, die erste Auflage war so schnell vergriffen [lacht], dass wir Mühe hatten, uns selber noch ein paar Exemplare für uns in der Stadtbücherei dann zu sichern.
00:07:48: Thomas: Ich denke, das ist auch eines der Erfolgsgeheimnisse, dass die Ausgabe-Stellen so bunt gestreut sind vom Recyclinghof über Schwimmbäder, Handelsbetriebe, städtische Dienststellen.
00:07:58: Ich denke, das ist ein tolles Signal.
00:08:01: Boris: Inzwischen auch seit ein paar Jahren auch noch in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
00:08:05: Also es ist wirklich sehr... das spannende an der Aktion für mich auch, dass den Leuten Literatur an Orten präsentiert wird, wo sie sie vielleicht nicht erwarten würden und damit auch, dass man Leute erreicht, die gar nicht nach Literatur suchen, aber eher dann trotzdem begegnen.
00:08:21: Eine Frage habe ich noch zum Ablauf damals.
00:08:25: Gab es eine Auftaktveranstaltung?
00:08:28: Wo war die? Und ehm..
00:08:30: Birigt: Es gab eine Auftaktveranstaltung in unserer damaligen Stadtbücherei in der Colingasse.
00:08:35: Die war unglaublich gut besucht.
00:08:37: Es war ja da schon dann bekannt, dass "Der Kameramörder" von Thomas Glavinic als erstes "Innsbruck liest"-Buch herausgegeben wurde.
00:08:44: Und dieses Buch hat ja sehr polarisiert.
00:08:46: Das muss man von Anfang an sagen.
00:08:49: Es war ein Buch, das wirklich emotional sehr stark die Leute mitgenommen hat.
00:08:55: Mir persönlich ging es ähnlich.
00:08:57: Ich hatte bei dieser ersten Aktion den Ehrgeiz im Vorfeld der Jury Entscheidung schon möglichst alle Vorschläge der Jury durchzulesen und habe auch den "Kameramörder" gelesen.
00:09:07: Und wie ich ihn fertig hatte, habe ich mir gedacht, ein tolles Buch, aber für diese Aktion zu heftig.
00:09:14: Es geht ja doch immerhin da um den Mord an zwei Kindern und die Jagd nach dem Mörder.
00:09:20: Und mir war das dann fast ein bisschen zu beklemmend.
00:09:24: Schlussendlich fiel aber die Entscheidung der Jury genau auf dieses Buch.
00:09:29: Und wir haben uns natürlich auch an die Jury-Empfehlung gehalten.
00:09:32: Und in der Stadtbibliothek bei der Auftaktveranstaltung haben wir genau dann diese Emotionen gespürt. Es gab
00:09:38: Leute, die aufgestanden sind im Rahmen der Diskussion und gesagt haben, so was kann man doch nicht machen,
00:09:44: so ein grausames Buch unter die Leute zu bringen und was denken sich denn da die Schülerinnen und Schüler
00:09:50: und die jungen Menschen, die so ein Buch lesen und dann gab es aber auch Professoren, die Deutschklassen
00:09:56: geleitet haben und sich das Buch in Klassenstärke für ihre Klasse abgeholt haben und die gesagt haben,
00:10:02: genau so ein Buch muss es sein, damit es auch die jungen Leute fesselt und damit man auch genug Diskussionsstoff hat,
00:10:08: um das in der Klasse dann zu bearbeiten. Also es war wirklich ein sehr polarisierendes Buch und hat,
00:10:14: glaube ich, diese Aktion dadurch auch zu ganz viel Öffentlichkeit verholfen, was natürlich die Aktion an sich wieder genutzt hat.
00:10:21: Thomas: Ich glaube eine positive Polarisation, wenn man das so sagen darf, oder? Also der Diskurs über Literatur und über Kultur ist damit gefördert worden.
00:10:30: Das ist, denke ich, das Wichtigste, was eine Stadt machen kann, die Beschäftigung mit der zeitgenössischen
00:10:37: oder aktuellen Kunst und Kultur zu fördern bei den Menschen.
00:10:40: Boris: Hattet ihr in irgendeiner Form, bevor das Ganze dann losgegangen ist und ja auch ein voller Erfolg wurde,
00:10:46: Sorge, dass das nicht klappen könnte, dass zu wenig Leute kommen, dass die Bücher nicht verteilt werden,
00:10:51: ausreichend wird angenommen werden oder ähnliches oder war da von Anfang an der totale Optimismus, das wird ein Knaller?
00:10:57: Birigt: Wir waren eigentlich sehr optimistisch. Wir haben gewusst, dass diese Aktion in anderen Städten schon ausgesprochen erfolgreich läuft
00:11:04: und hatten schon die Erwartung, dass es auch bei uns gut ankommt.
00:11:07: Und so war es dann auch, wie ich eben schon erwähnt habe, die ersten Exemplare sind uns wirklich unter den Händen [lacht] fast weggerissen worden
00:11:14: und waren im nu vergriffen. Und es war dann schon auch schön, dass zu den Begleitveranstaltungen viele Menschen gekommen sind
00:11:20: und sich auch mit dem Autor auseinander gesetzt haben, mit der Thematik auseinander gesetzt haben und einfach an diesem Diskurs teilnehmen wollten.
00:11:28: Thomas: Und noch dazu gibt es ein unsichtbares Zauberwort, das so in unsichtbaren Buchstaben über die Aktion schwebt und das ist [flüsternd] gratis [lacht].
00:11:36: Boris: Da habe ich ein Anekdote. Ich habe selber mal im Buchhandel gearbeitet und dann kam ein Herr rein am Vormittag.
00:11:45: Die Bücher waren schon weg, die für den Tag bestimmt waren und er hat gemeint, was schon ausverkauft.
00:11:50: Und ich habe gesagt, na ja, wenn es verkauft werden würde, weiß ich nicht, ob sie schon alle weg wären.
00:11:54: Aber na klar, gratis ist natürlich ein Argument.
00:11:58: Es ist ja auch so, dass es jetzt für mich als Literaturwissenschaftler auch ganz spannend,
00:12:04: Thomas Glavinic ist ja damals richtig durchgestartet, war ja eben deswegen, glaube ich, auch so ein perfekter Start für die Aktion.
00:12:12: Er hat dann ja eigentlich weitere Erfolge gehabt und ist inzwischen leider aus dem Literaturbereich komplett verschwunden.
00:12:20: Aber wie war dieser sehr... Weil das ist für mich auch immer noch bei der Aktion so ein Thema.
00:12:24: Diese sehr intensive Zusammenarbeiten mit einer Person, einer Autorin in einem Autor über mehrere Tage.
00:12:30: War das damals auch ein besonderes Erlebnis? Oder...
00:12:35: Birigt: Ja, die erste Begebung mit dem Thomas Glavinic war eigentlich ganz lustig.
00:12:39: Das Buch endet ja damit, dass der Kameramörder gefasst wird und endet mit den letzten drei Worten "Ich läugne nicht".
00:12:47: Und als Thomas Glavinic zu uns ins Büro, ins Kulturamt kam, kam er herein und hat sich vorgestellt mit "Ich bin der Kameramörder".
00:12:57: Und mein Kollege, der neben mir saß, hat sofort darauf geantwortet und sie läugnen nicht.
00:13:02: Und damit haben wir schon ein bisschen, sind wir schon etwas mit Humor, in unsere Zusammenarbeit gestartet.
00:13:09: Und ich glaube, es war für Thomas Glavinic schon auch schön zu sehen, dass so eine große Anzahl von Menschen sich nun seinen Romanen widmet
00:13:18: und Interesse für sein Buch zeigt. Und das ist für einen Autor, glaube ich, schon auch eine besondere Erfahrung.
00:13:24: Boris: Jetzt von der ersten Ausgabe weggehend, habt ihr beide dann eigentlich alle Ausgaben immer so verfolgt?
00:13:30: Ich meine, Thomas, du bist ja vom Aufgabenbereich quasi beruflich ganz woanders, als da, wo das Ganze losgegangen ist.
00:13:37: Aber hast du das immer jedes Jahr angeschaut, die Bücher, die auch angesehen und?
00:13:41: Thomas: Nicht nur von außen angesehen, sondern sogar von innen drin gelesen [alle lachen].
00:13:45: Boris: Und findest du, oder findet ihr beide, dass sich das gut entwickelt hat?
00:13:51: So über die Jahre hat es... einfach... es ist konstant.
00:13:56: Es ist ja eben, der Erfolg ist ja immer noch da.
00:14:00: Aber es ist ja trotzdem, denke ich mal, wenn man so eine Aktion auf die Welt bringt und dann lässt man sie erwachsen werden.
00:14:07: Das war ja eine Zeit lang auch die Natalie Pedevilla, zum Beispiel die das Projekt geleitet hat.
00:14:11: Jetzt ist es ja seit 2018 in der Stadtbibliothek gelandet.
00:14:15: Also, aber...
00:14:17: Birgit: Ja, also natürlich habe ich es nach wie vor weiterverfolgt.
00:14:21: Ich bin jetzt selber nicht mehr so eng in der Organisation, klarerweise.
00:14:25: Aber es war auch für mich immer spannend dann zu erfahren, wer wird heurige "Innsbruck liest"-Autorin oder "Innsbruck liest"-Autor.
00:14:32: Ich habe auch alle Bücher gelesen.
00:14:34: Es haben mir nicht alle ganz gleich gut gefallen.
00:14:36: Das ist, glaube ich, auch normal und soll auch so sein, dass man verschiedene Geschmäcker trifft.
00:14:41: Für mich war es sehr schön zu sehen, dass wir so viele unterschiedliche Themenwelten behandelt haben mit diesen Büchern.
00:14:49: Wir haben eben mit einem Krimi begonnen, wir haben das Südtirol-Thema aufgegriffen.
00:14:54: Wir hatten mehrfach das Thema Flucht und Migration.
00:14:57: Wir haben eine Reihe von Lebens- und Familiengeschichten erzählen können mit der Aktion Innsbruck "liest".
00:15:04: Es ging um das Thema Finanzwelt, um Arbeitswelten, um Mobbing und und und.
00:15:09: Also, diese Bandbreite ist schon sehr groß und sehr spannend.
00:15:12: Und ich glaube, dass so über die Jahre sicher für ganz viele Menschen viel dabei war. Und
00:15:17: das war ja der Sinn dieser Aktion.
00:15:19: Und ich weiß von einigen, die inzwischen auch schon eine "Innsbruck liest"-Bücher-Sammlung zu Hause haben.
00:15:24: So wie ich auch eine habe, das war ja eigentlich von Anfang an nicht ganz der Wunsch, unser Wunsch oder unser Ansehen.
00:15:33: Weil wir wollten, dass das Buch sobald es gelesen wird, verschenkt wird, weiterverschenkt wird,
00:15:37: damit noch mehr Leute in den Genuss dieser Bücher kommen.
00:15:40: Und wie es halt so ist, ein gutes Buch gibt man dann nicht so gerne her.
00:15:44: Und so (lacht), glaube ich, hat sich dieses Weiterverschenken, Weiterverteilen nicht so entwickelt.
00:15:49: Aber ich denke, wenn wir jedes Jahr 10.000 oder vielleicht dann mit verliehenen Büchern 15.000 Menschen damit erreichen, dann ist es schon auch eine schöne Anzahl.
00:15:58: Thomas: Ich möchte an das anknüpfen, bin ja voll bei dir, Birgit.
00:16:01: Die Bandbreite der Themen finde ich so bestechend und auch die Autorenschaft.
00:16:06: Also, wenn man sich anschaut, wer da im Laufe der Jahre aller dabei war mit seinen Buchtiteln,
00:16:10: dann ist es schon eine renommierliche Liste geworden finde ich in der Zwischenzeit.
00:16:15: Und die Leute haben sich ja nicht nur für "Innsbruck liest" geschrieben, sondern auch viel und eifrig anderwertig gearbeitet.
00:16:22: Und da sind schon tolle Autorinnen und Autoren dabei.
00:16:25: Das finde ich beeindruckend.
00:16:27: Boris: Habt ihr einen geheimen oder offiziellen Favoriten aus diesen Jahren für Euch?
00:16:32: Birigt: Für mich war es sehr schön, dass wir im Jahr 2007 die heimische Literatur Szene, die Autorinnen und Autoren aus Innsbruck in den Mittelpunkt stellen konnten.
00:16:43: Wir haben uns damals entschlossen, eine Anthologie herauszugeben.
00:16:47: Unter dem Titel "Insights" wurden Texte von 15 Autorinnen und Autoren publiziert, die dann auch in Form von Lesungen natürlich in der Stadt präsent waren.
00:16:58: Und das war für mich sehr schön, hier einfach für die Literatinnen und Literaten vor Ort etwas machen zu können und sie ja mal vor den Vorhang zu holen und in den Mittelpunkt zu stellen.
00:17:07: Und dafür eignet sich natürlich so eine Aktion, wo 10.000 Bücher verteilt werden, sehr, sehr gut.
00:17:12: Und das war für mich damals auch ein schöner Erfolg, dass auch diese Anthologie sehr gut angekommen ist.
00:17:18: Thomas: Mir haben viele Titel wirklich sehr gut gefallen.
00:17:22: Ich könnte jetzt nicht den einen Titel herausgreifen und sagen, das war mein absolutes Highlight und mein Lieblingsbuch aus der Reihe.
00:17:27: Boris: Ja, ich bin ja dann auch heuer [Dialekt für dieses Jahr] schon gespannt, wie der 20. Titel dann ankommen wird, die Caroline Wahl mit "22 Bahnen".
00:17:35: Da haben wir ja auch dieses Jahr glaub ich ein wirklich ein sehr schön lesbares Buch mit ganz vielen Themen und ich bin auch schon wieder gespannt, wie dann die Diskussionen rundherum sind, die Veranstaltungen.
00:17:48: Werdet ihr uns heuer auch besuchen bei der einen oder anderen Veranstaltung?
00:17:52: Birgit: Natürlich, ganz klar.
00:17:54: Das ist ein Pflichtprogramm und da komme ich immer sehr gerne.
00:17:57: Und man muss vielleicht zum 20-jährigen Jubiläum schon auch noch einmal sagen, dass wir sehr dankbar sind, dass auch unsere Sponsoringpartner uns über so viele Jahre
00:18:05: treu geblieben sind, weil sie einfach eine wichtige Säule in der Finanzierung dieser Aktion darstellen und uns eben auch dann über verschiedene Verteilschienen dann mit unterstützen.
00:18:16: Und es ist sehr schön, dass wir in dieser Aktion eben da schon über viele, viele Jahre zusammenarbeiten.
00:18:22: Thomas: Ja, und wir wollen die nächsten 20 Jahre genauso erfolgreich werden wie die ersten 20 Jahre (lacht).
00:18:27: Boris: Ja, dann danke ich vielmals für das Gespräch.
00:18:30: Ich freue mich auch auf die nächsten Jahre und danke vielmals fürs Kommen.
00:18:35: Und ja, und weiterhin viel Lesegenuss.
00:18:38: Birgit: Vielen Dank.
00:18:39: Thoma: Dankeschön.
00:18:40: [Wasser plätschert] [Outro-Musik]
00:19:06: [Frauenstimme]: Das S'Vowort ist eine Produktion der Stadtbibliothek Innsbruck und Teil der Stadtstimmen, dem Audiokanal der Stadt Innsbruck
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